(aktualisiert am: 29. Juli 2010)
Vom 18. Juli bis 2. August 2010 richtet die Universität Kiel unter Koordination von Prof. Dr. Wolfgang Rabbel, UNI Kiel, in Albersdorf (Dithmarschen) unter dem Titel INCA-2010(*) den dritten Internationalen Kurs für ArchäoGeophysik aus. In der ArchäoGeophysik nutzt man geophysikalische Messungen, um archäologische Funde und Siedlungsreste im Untergrund zerstörungsfrei zu orten und zu untersuchen.
* INCA steht für International Course on ArchaeoGeophysics
Die Wissenschaftler und Studenten der Universitäten Bratislava (Slowakei), Kiel und Kocaeli (Izmit, Türkei) untersuchen in unserer Gemeinde den Untergrund mit den neuesten Methoden der Geophysik. Es sind 50 Studierende und Dozenten in dieser Arbeitsgruppe. In den verschiedenen Disziplinen werden die Studenten eingewiesen und unterrichtet. Die Ergebnisse können dann interdisziplinär ausgewertet werden und somit zur weiteren Verbesserung der "eigenen" Untersuchungsmethode führen.
Mit Bodenradar, Geomagnetik und Bodenelektrik tomographieren sie unsere Großgräber aus der Steinzeit und das geheimnisvolle Erdwerk von Albersdorf. Unter der mittelalterlichen Kirche von Albersdorf wird nach unbekannten Krypten und Hohlräumen gesucht - mit Bodenradar und einer hochgenauen Vermessung des Erdschwerefeldes.
Vor und in der St. Remigius Kirche in Albersdorf werden hochsensible Schwerkraft-Messungen unter der Leitung von Prof. Dr. Roman Pasteka (Bratislava), Dr. Sabine Schmidt und Prof. Dr. Hans-Jürgen Götze (beide Kiel) und ihren beiden Teams durchgeführt. Die Geräte, mit denen die Schwerekraft der Erde bestimmt wird, - so genannte Gravimeter - sind neue und teure Errungenschaften der Abteilung Geophysik an der CAU Kiel und der Comenius Universität Bratislava. Beide Geräte sind sehr empfindliche Federwaagen, die das Erdschwerefeld bis auf die achte Nachkommastelle genau bestimmen können. Während das Gerät der Kieler Uni aus einem feinen Stahlfedersystem mit viel präziser Elektronik im Inneren aufgebaut ist, besteht das Gerät der Uni Bratislava aus einem feinen Quarzfedersystem, das ebenfalls von moderner, elektronischer Messtechnik umgeben ist. Beide Geräte funktionieren dann so, dass zwischen zwei Kondensatorplatten die sehr kleinen Probemassen elektrisch so positioniert werden, dass sie sich exakt in der Mitte dieses Kondensatorfeldes befinden. Die benötigte "Korrekturspannung" ist proportional zum relativen Messwert und zwar an jedem Messpunkt. Da in der Physik bereits vor langer Zeit (von Sir Isaac Newton, 1643 - 1727) nachgewiesen wurde, dass sich zwei Massen gegenseitig anziehen, werden auch die Probemassen in den Gravimetern von den Massen im Untergrund der Erde ganz unterschiedlich angezogen: Ist die lokale Masse groß, ist auch die Anziehung und die Auslenkung des Federsystems groß, ist sie klein - wie z.B. bei einem Hohlraum mit dem spezifischen Gewicht der Luft von "0 t/m3" - ist Anziehung und Federauslenkung ebenfalls klein. Übertragen auf die Verhältnisse in und vor der Remigiuskirche bedeutet das, dass z. B. die Feldstein- und Backsteinmauern der Kirche eine beachtliche Anziehung auf die Geräte ausüben und mit Hilfe von Computerprogrammen aus den Messwerten herausgerechnet werden müssen, um eventuell vorhandene Hohlräume - z.B. im Altarraum der Kirche - überhaupt erst erkennen zu können. Die von allen störenden Einflüssen "befreiten" Messergebnisse geben dann Rückschlüsse auf den Untergrund unter den Messstationen. Auf diese Weise können nach aufwändigem Prozessing mit dem Computer Hohlräume bestimmt werden: z.B. Krypten und Grab-Hohlräume. Die Messmethode, bei der mit Punktabständen von einem oder einem halben Meter gearbeitet wird - wie jetzt in Albersdorf -, wird Mikro-Gravimetrie genannt. Bei den bisherigen Messungen vor dem Eingang der Kirche sowie im Altarraum sind bereits Hinweise auf solche "anomalen" Massen sichtbar; ob es sich wirklich um Hohlräume handelt, oder um andere Objekte, müssen die Auswertungen der Wissenschaftler und Studierenden des INCA-Kurses in den nächsten Tagen zeigen. Die sich anschließenden Messungen mit dem Bodenradar können beim Auftreten von deutlichen Anomalien der Mikrogravimetrie im Untergrund zu Vergleichzwecken herangezogen werden und bei der Interpretation wichtige Hinweise liefern. (Dank an Prof. Dr. Götze für die Fachauskunft)



(Messungen außerhalb der Kirche und ein Teilergebnis in der Kirche)
Am Dieksknüll sind die Georadar- und Geomagnetikmessungen mit zwei Gruppen unter Leitung von Herrn Harald Stümpel, UNI Kiel mit seinen Mitarbeiterinnen u. a. Tina Wunderlich, Vera Glomb und Dr. Dennis Wilken. Das installierte Differential-GPS ermöglicht Messungen mit einer Genauigkeit von ca. 5 cm pro Meßpunkt. Nach der ausgewerteten Messung kann auch die Topographie angepasst werden um einen klareren Überblick über das Meßergebnis zu erhalten




Der Brutkamp wurde am Vortage von Dr. Dennis Wilken mit seiner Gruppe Geo-Elektrisch, Geo-Radar und seismisch untersucht.
Bei den Langbetten am Horstenmoorweg waren 3 Gruppen mit verschiedenen Techniken am Werke. Michael Lay untersuchte das Langbett mit EMI (Elektro-Magnetischer-Impuls) -Meßgeräten.


Während die Gruppe um Kerstin Lehmann, die mit einer Meßmethode die Natürliche-Gamma-Strahlung über das Langbett aufspürt und daraus Rückschlüsse auf den Untergrund zieht.
Dozentin "Jana" und Peter Demjan von der UNI aus Bratislava, Slowakei unterstützen sie dabei.
Die Meßmethode mit der natürlichen Gamma-Strahlung "erkennt" bzw. kann Unterschiede in z.B. Ton-, Sand- und Humusschichten oder Steinen (Auflösung in 25 cm Quadranten) unterhalb der Bodenoberfläche aufspüren. Diese Methode steckt noch in den "Kinderschuhen" kann aber auch zum Vergleich mit den anderen Disziplinen herangezogen werden.
(links: Dr. Rinne und Florian Bauer mit den Studentinnen Eva und Lenka, rechts: Schwenk übers Langbett voller Studenten, Amateuraufnahmen, HHk)
Eine weitere Gruppe unter der Leitung von Dr. Christoph Rinne war mit einer Magnetsonde im Umfeld des Langbettes mit Messungen beschäftigt. Diese Gruppe hat Standspuren weiterer inzwischen entfernter Steine des oder eines weiteren Langbettes in ihren Messungen "entdeckt".
Die Ergebnisse werden am 1.08. in der Jugendherberge Albersdorf ab 14:00 Uhr der interessierten Öffentlichkeit präsentiert.

Zur offiziellen Seite des Kurses "international summer school" INCA 2010
(official Poster)

INCA 2008 (official Poster)
INCA 2009 (Newsletter PDF)
Zur Erläuterung der einzelnen Mess-Methoden eine Kurzbeschreibung über die Teildisziplinen:
Was ist Geo-Physik,
Geo-Radar,
Geo-Elektrik,
Geo-Magnetik,
Seismik
Hier der Mitschnitt des Beitrags aus dem Schleswig-Holstein Magazin vom 23.07.2010
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