Was ist eigentlich das ARCHAEUM?

Das ARCHAEUM soll ein Ausstellungs- und Bildungszentrum zur Umweltgeschichte und Archäologie der Westküste Schleswig-Holsteins werden. Das geplante Ausstellungs- und Bildungszentrum möchte informieren über die natürlichen und menschlichen Spuren der Vergangenheit.

Auf der Grundlage ökologischer und archäologischer Forschung sollen Themenfelder wie Natur, Kultur, Ökologie und Archäologie gleichrangig zueinander gebracht und die wechselseitigen Abhängigkeiten veran-schaulicht werden. Ein lebendiges Nebeneinander und Miteinander von theoretischen Betrachtungen, originalen Exponaten, emotionalem Erleben in der Landschaft und praktischen Erfahrungen soll hier zukunftsweisend den Besucherinnen und Besuchern eigene Orientierungen ermöglichen. Um diese Thematik auf anschauliche und spannende Weise darzustellen, ist die Errichtung eines Ausstellungshauses, dem „ARCHAEUM“, in einem weiterentwickelten Außengelände geplant, in dem neben den Ausstellungs- und Serviceteilen Bereiche für die pädagogische Arbeit integriert sind.

Konkret:

Im ARCHAEUM werden wir eine Zeitenreise durch Landschaften der Eiszeit, der Steinzeit, des Mittelalters, der Jetztzeit bis in die Zukunft machen.

Wie soll man sich das vorstellen?

Das geplante ARCHAEUM ist eine Kombination aus dem vorhandenen AÖZA-Außengelände, das noch weiter gestaltet werden soll und dem Neubau ARCHAEUM. Im vorhandenen Außengelände, dem Naturerlebnisraum, finden wir bereits jetzt die prähistorischen Grabanlagen, das Steinzeitdorf und die Beweidungsflächen für alte Haustierrassen wie Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde und zeitweise auch Schweine. Das neue Gebäude soll der Landschaft durch seine Architektur angepasst werden und durch eine Geothermie Heizung (Nutzung der Erdwärme) ergänzt werden.

Das Dach des ARCHAEUM's wird aus einem extensiv begrünten Grasdach bestehen. Der erdhügelartigen Wölbung des Hauptdaches stehen die baumförmigen, nach innen entwässernden Vordächer vor dem Gebäude gegenüber. Der Fußboden, einschließlich Bauwerkssohle, ist im Hinblick auf seine ausgleichende und Temperatur speichernde Aufgabe für den Einsatz der Geothermie massiv ausgebildet. Hier ist der bewusste und in den einzelnen Bereichen unterschiedliche Einsatz von frühzeitlichen bis neuen Materialien –gestampfter Lehm bis Glasschüttung – vorgesehen.

Was wird man im neuen Gebäude sehen können?

Es wird vielfältige Darstellungsformen geben. Wir stellen hier einige Zeitbeispiele vor:

z.B. „Eiszeit“

im Inneren eines Gletschers...

vor ca. 115.000 bis vor ca. 15.000 Jahren.

Eine Gletscherspalte führt uns in die dramatische Abkühlung zu Zeiten des Weichsel-Glazials.

Hinter einer Vorhangschleuse wird es sehr kühl und strahlend blau. Ein lang gezogener schmaler Raum öffnet sich. Um uns herum ist tiefblaues Gletschereis, das langsam in Bewegung zu sein scheint. Mit einem tiefen knarrenden Geräusch bewegt es sich – virtuell – in Gehrichtung. Wir staunen, denn wir befinden uns tatsächlich tief in einer Gletscherspalte, die Raumtemperatur liegt sicher nicht über 10 Grad Celsius. Unter unseren Füßen rauscht und tost milchiges Schmelzwasser, ein inszenierter Gletscherbach. Gurgelnd fließt die grau-blaue Gletschermilch. An einer Stelle können wir die frostige Wand berühren, unter unseren Fingern schmilzt das Eis.

Während sich vor uns nicht weiter erkundbar die Spalte in den Tiefen des Gletschers verliert, biegen wir um eine Ecke und befinden uns in einem Raum mit sternförmig angeordneten Spalten und Kavernen. Betritt man diese Spalten, erklärt ein kurzer Film – beispielsweise – die Entstehung eines Gletschers. Die Themen der filme der einzelnen Spalten sind vielfältig: Eiszeiten erklärt, die Gletscher der Welt kurz vorgestellt oder die Auswirkungen der Klimaveränderung beleuchtet. Beeindruckend ist eine Animation, die zeigt, wie Eismassen die Landschaft unter unseren Füßen – die Landschaft Dithmarschens – über die Jahrtausende verändert hat und in welcher Dicke die Gletscher große Teile Europas bedeckten.

oder z.B. Steinzeit:

Der Mensch wird sesshaft

vor ca. 6.000 Jahren

Entlang einer dunklen Wand, aus der Vitrinen heraus leuchten, betreten wir den nächsten Abschnitt. Dies ist der „Ausstellungssaal“ des ARCHAEUM's. Hier wird die Urgeschichte anhand von originalen und nachgebildeten Funden aus der Region – vom Steinbeil bis zur Begräbnisstätte – lebendig. Und dies ist auch beinahe wörtlich zu nehmen: Wir biegen um eine Ecke und stehen im Inneren eines Steinzeithauses. Unter dem Dach lagern Vorräte, wir sehen die Feuerstelle und zahlreiche Alltagsgegenstände und – am Hauseingang vorbei – aus einem hohen schmalen Durchblick direkt auf die Häuser des Steinzeitdorfs. Wir sind beeindruckt und bemerken, dass in der Feuerstelle tatsächlich ein Feuer zu brennen scheint. Sicherlich ist dies die Attraktion im Winter, ein Teil des Steinzeitdorfes im Inneren.

Und was es hier alles zu entdecken und mit allen Sinnen zu erfahren gibt: Die Verarbeitung des Getreides, von der Ernte übers Mehl mahlen in einem abgeflachten Stein bis zum Backen, zu allerlei Werkzeug behauene Flintsteine, gegerbte Tierhäute und zu Kleidung und Werkzeug verarbeitetes Leder und Töpferwaren.

Eine Steinzeitfamilie führt durch ihr Jahr: Im Sommer steht die Jagd im Mittelpunkt, aber auch eine Fülle essbarer Früchte, Kräuter, Blätter, Knollen und Pilze steht je nach Saison auf dem Speiseplan.

Viele spannende Fragen werden beantwortet: „Wie wurde die Nahrung für den Winter haltbar gemacht? Gab es damals schon Medizin und Ärzte? Wie schützte man sich vor Regen und Kälte?...“

Und auch die Kinder können hier spannende Fragen beantworten: Die eine heißt „Gab es in der Steinzeit Gummistiefel?“ – Ja, tatsächlich! – oder jedenfalls beinahe. Unsere Vorfahren haben aus Fischhäuten wasserfeste Kleidung hergestellt. Im Jahreslauf lernen wir das tägliche Leben „unserer“ Familie sehr gut kennen: gehen mit ihr auf Vogeljagd, erleben Initiationsriten und Bestattungen.

oder z.B. Völkerwanderungszeit

Der Wald erobert das Land zurück

vor ca. 1.500 Jahren

Mit dem starken Rückgang der Besiedelung entstehen die Urwälder von neuem.

Nun weist der Weg nach draußen, ins Gelände, denn die Zeit der Völkerwanderung sollen wir in der Landschaft erleben. Das Klima war damals stark schwankend, es gab weit kühlere und feuchtere Perioden und Zeiträume, die wärmer und trockener waren als heute. Der Wald könnte damals so ausgesehen haben, wie der umgestaltete Wald hier im Gelände, in dem Eichen und Buchen dominieren.

Menschen sah man damals kaum, so erfahren wir. Aber was, so fragen wir uns, hat die Menschen aus Mitteleuropa davon getrieben?

Wir finden eine Informationsstation, die uns mit nimmt in die Vergangenheit: An einem Novembertag im Jahre 530 verdunkelte sich die Sonne und sollte für anderthalb Jahre kein Licht mehr auf die Erde schicken. Die Menschen dachten wohl, der Himmel sei Ihnen auf den Kopf gefallen und auch wir fragen uns, was war geschehen?

Ein Globus zeigt uns, dass es sich hier um eine weltweite Katastrophe gehandelt haben muss. Der Ausbruch des Ur-Krakatrau im Indonesischen Archipel zwischen Sumatra und Java schleuderte eine Gassäule von 50-60 km Höhe in die Atmosphäre. Die Staub- und Aschepartikel verteilten sich um den ganzen Erdball: Nicht nur über Dithmarschen verdunkelte sich die Sonne. Auch im grönländischen Eis oder in der Antarktis kann man im „Eisarchiv“ von dieser Katastrophe lesen.

oder z.B. Katastrophen des Mittelalters

Siedlungen fallen wüst.

vor ca. 630 Jahren

Starkregen, Pest und Hunger bedrohen die Menschen.

Wieder im Inneren des ARCHAEUM's angekommen, steigen wir einen schmalen Pfad herunter. Wir erfahren, dass uns unsere Zeitenreise nun ins Mittelalter führt. Auch hier haben die Macher des ARCHAEUM's wie überall an die Rollstuhlfahrer gedacht: Es gibt auch eine schmale, gewundene Rampe.

Wir befinden uns in einer engen Schlucht. Direkt neben, ja um uns herum, sehen wir das Bodenprofil und ahnen, wie gewaltig die Wassermassen gewesen sein müssen, um diese Erdspalte mit ihren Überhängen zu schaffen. Die Schlucht verbreitert sich im Verlauf leicht und vor uns liegt ein Schwemmfächer, den Geologen für uns grabend und bohrend geöffnet haben. In den Schnitten durch Bodenprofil und Schwemmfächer sind Tafeln, Spiel- und Mitmachstationen eingelassen. Hier lernen wir die Forschungsarbeit und die Forschungstechniken näher kennen.

Hinter einer Biegung öffnet sich der Raum und wir stehen – im Regen. Virtuell schüttet es um uns herum wie aus Eimern. Eine Stimme führt uns zurück in das Jahr 1342, genauer gesagt zum Nachmittag des 19. Juli. An diesem Tag beginnt es zu regnen und dieser Starkregen wird für mehrere Tage nicht mehr aufhören. Wir fühlen uns wie eine Bauernfamilie dieser Zeit. Ängstlich sitzen wir in unserem Haus, das wir nun schon für mehrere Tage nicht verlassen konnten und merken, wie der Regen langsam nachlässt. Es ist der 24. Juli, als wir im knietiefen Schlamm vor unserem Haus stehen, besorgt schauen wir zu den Feldern, um von der Ernte zu retten, was zu retten ist. Doch statt unseres Feldes sehen wir nur eine schlammige Schlucht – weggerissen ist der Boden von den Wassermassen, das Vieh ertrunken. Unser Mühlenbach ist ein tosender, schlammiger Fluss, von der Wassermühle stehen noch nicht einmal mehr die Grundmauern. Die Wiesen sind verschlammt und von tiefen Furchen durchzogen, aus denen das Grundwasser emporschießt.

An diesen drei ausgewählten Beispielen wollten wir Ihnen die Konzeption des ARCHAEUM's nahe bringen. Im geplanten Gebäude werden außerdem weitere Zeitabschnitte und ihre Landschaftsveränderungen dargestellt.

Im Leitmotiv des ARCHAEUM's wird deutlich, dass die beschriebene Art der Darstellung der Vergangenheit auch dazu dienen soll, sich mit den heute aktuellen Fragen zur Wechselbeziehung zwischen Mensch und Natur im Sinne der Agenda 21 auseinander zu setzen:

Natur – Kultur – Geschichte

erleben und erfahren, um sie für die Zukunft zu bewahren.

Das ARCHAEUM ist Herausforderung. Die Innen- und Außendarstellung möchte anreizen zum Innehalten, zum Nachdenken und zum Perspektivwechsel – der Blick zurück und nach vorn, sowohl in Zeit als auch in Raum, der Blick über die Grenzen der Fachdisziplinen, der Blick aus verschiedenen Altersgruppen.


Ein packender und mitreißender Vortrag am 14. Juni 2007, in der Gaststätte "Erholung" in Albersddorf, gehalten von Prof. Hans-Rudolf Bork , Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates "ARCHAEUM" (Siehe auch DLZ-Artikel vom 16.6.2007).