Der Brutkamp wird erstmalig wissenschaftlich untersucht

In der Zeit vom 17. August 2009 bis Ende September 2009 finden am archäologischen Kulturdenkmal "Brutkamp" in Albersdorf archäologische Sondagearbeiten statt.

(Brutkamp, Bildarchiv Servicegebäude)
Diese erste wissenschaftliche Untersuchung des Kulturdenkmals "Brutkamp" ist eine Maßnahme aus dem Schwerpunktprogramm "Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften in nördlichen Mitteleuropa". Hierbei werden die Voraussetzungen vor etwa 5500 Jahren erforscht.
Dazu finden bereits zur Zeit aber auch in den nächsten Jahren Grabungen und auswertende Untersuchungen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen statt, überall dort also, wo es Großsteingräber oder auch monumentale Grabenwerke gegeben hat. Innerhalb des Schwerpunktprogrammes arbeiten viele wissenschaftliche Disziplinen mit der jeweils eigenen Methodik eng zusammen, um die erhobenen Daten aus den verschiedenen Fundstellen auszuwerten und zusammen zu führen. Ziel ist es, möglichst weitreichend die gesamten Umweltbedingungen der steinzeitlichen Menschen wie zum Beispiel Klima und Landschaft zu rekonstruieren, um so günstige und weniger günstige Bedingungen für die Entstehung von "Monumentalität" heraus zu filtern (zum Beispiel Nahrungsmittelüberschuss, Krankheitsbilder, gesellschaftliche Spannungen usw.).

Drei Poster erklären diese wissenschaftliche Aktion ausführlich.

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(Legende zu Poster 1)

















Bevor die Sondage am Hügel des Kulturdenkmals "Brutkamp" angelegt wurde, fanden verschiedene geophysikalische Untersuchungen (Geomagnetik und Georadar) sowie eine Bestandsaufnahme des derzeitigen Zustandes der Anlage (3-dimensionale Vermessung) statt. Aufbauend auf den geophysikalischen Ergebnissen, welche weitere Findlinge bzw. deren Standgruben vermuten lassen, wurde der diesjährige Schnitt angelegt. Dieser stellt den ersten archäologischen Bodeneingriff an der über fünf Jahrtausende alten Grabanlage dar. Um ein möglichst genaues Bild des Hügelaufbaus zu erhalten wurde ein L-förmiger Schnitt angelegt, welcher in 12 Quadranten unterteilt wurde. Zusätzlich werden alle Steine und signifikanten Funde punktgenau mit einem Tachymeter eingemessen.




























Am Ende der Sondierungsmaßnahmen am "Brutkamp" wurde auch die Geo-Elektrik eingesetzt. Dieses Verfahren basiert auf einer Widerstandsmessung des Untergrundes und lässt so Rückschlüsse auf die Bodenschichten bis in die Tiefe von einigen Metern zu. Hierbei werden z. B. auf einem Messstrang 40 Ansteuerungspunkte und 4 Messpunkte für die Computerauswertung genutzt. Der Dipl.-Geophysiker Ercan Erkul mit seiner Assistentin Sarah Held führten diese Messungen durch. Durch Vergleiche dieser verschiedenen angewandten Geo-Wissenschaften (Magnetik, RADAR und Elektrik) mit den tatsächlichen Funden und Befunden lassen sich heute interdisziplinäre Ergebnisse erreichen die früher undenkbar waren.

Das Forschungsvorhaben wurde initiiert durch Johannes Müller (Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität), Doris Mischka (Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität) und Claus von Carnap Bornheim (Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein).
Die Grabungsmannschaft setzt sich aus Studenten der Ur- und Frühgeschichte aus Kiel und Jena zusammen sowie mehreren freiwilligen Helfern des AÖZA und eines Praktikanten.
Die örtliche Grabungsleitung obliegt Hauke Dibbern, welcher zusammen mit Franziska Hage als Doktorand an dem Teilprojekt "Monumentale Grabenwerke, nichtmegalithische und megalithische Grabbauten des Früh- und Mittelneolithikums in Schleswig-Holstein: Untersuchungen zu Baugeschichte, Datierung, Funktion und Landschaftsbezug der Kleinregionen Büdelsdorf und Albersdorf" angestellt wurde.
Die Sondage am "Brutkamp" bildet den Anfangspunkt einer Reihe von Untersuchungen in den nächsten zwei bis sechs Jahren.
Im nächsten Jahr finden archäologische Feldarbeiten am Grabenwerk Dieksknöll südwestlich von Albersdorf statt.


Zu den bisher entdeckten Fundstücken zählen neben einem möglichen Bernsteinanhänger, verschiedene Feuersteingeräte (u.a. ein Dolch) sowie Keramik. Der Brutkamp ist für die Arbeiten vom THW abgesichert worden, um sowohl das Denkmal als auch die Grabungsteilnehmer zu schützen. Am 06.10.2009 ist alles wieder zurück gebaut.
Der Brutkamp hat wieder seine "Ruhe" und wartet auf Besucher.


Eine Dia-Schau zeigt eindrucksvoll die Arbeiten und Funde am Kulturdenkmal.
(Bild anklicken für Bildunterschriften bzw. Kommentare)



Die Beteiligten Institute bzw. Einrichtungen mit weiteren Informationen bzw. Links:

DFG - science-tv

Giganten der Steinzeit

Die Spur der Steine: Von Dolmen, Gräbern und ihren Erbauern




Schwerpunkt Monumentalität





Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein






Christian-Albrechts-Universität Kiel









Archäologisch-Ökologische Zentrum Albersdorf








Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen





Texte aus der Pressemitteilung, Grabungsleitung: Dipl.-Prähist. Hauke Dibbern und Franziska Hage, M.A., UNI-Kiel
Poster: Grabungstechnikerin und Grafikerin Ines Reese, UNI-Kiel
Fotos Dia-Schau: Heino Hünken, Vertrauensmann Denkmalschutz