
(Luftbild von 1992, Dr. Arnold, Bildarchiv Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen in Albersdorf)
Im Sommer 1992 wurde auf dem Sporn des Dieksknöll durch Volker Arnold aus der Luft eine Grabenanlage entdeckt. Anschließend an die Forschungen, welche kurz nach der Entdeckung der Anlage durchgeführt wurden, ist durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts Universität Kiel in Zusammenarbeit mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein sowie dem Archäologisch - Ökologischen Zentrum Albersdorf in diesem Jahr eine weitere Untersuchung des Dieksknöll geplant.
Diese wissenschaftliche Untersuchung des Kulturdenkmals "Erdwerk auf dem Dieksknöll" ist eine Maßnahme aus dem Schwerpunktprogramm "Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa".
Hierbei werden die Voraussetzungen, wodurch die Menschen in die Lage versetzt wurden und den Willen entwickelt haben, die beeindruckenden Grabanlagen zu bauen, wie sie zum Beispiel der "Brutkamp" hier in Albersdorf verkörpert, vor etwa 5500 Jahren erforscht
Dazu fanden bereits im letzten Jahr die Untersuchungen am "Brutkamp" aber auch in den nächsten Jahren Grabungen und auswertende Untersuchungen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen statt, überall dort also, wo es Großsteingräber oder auch monumentale Grabenwerke gegeben hat. Innerhalb des Schwerpunktprogrammes arbeiten viele wissenschaftliche Disziplinen mit der jeweils eigenen Methodik eng zusammen, um die erhobenen Daten aus den verschiedenen Fundstellen auszuwerten und zusammen zu führen. Ziel ist es, möglichst weitreichend die gesamten Umweltbedingungen der steinzeitlichen Menschen wie zum Beispiel Klima und Landschaft zu rekonstruieren, um so günstige und weniger günstige Bedingungen für die Entstehung von "Monumentalität" heraus zu filtern (zum Beispiel Nahrungsmittelüberschuss, Krankheitsbilder, gesellschaftliche Spannungen usw.).
Bevor die Grabung am Kulturdenkmal "Erdwerk auf dem Dieksknöll" begonnen wurde, fanden verschiedene geophysikalische Untersuchungen (Geomagnetik, Geoelektrik und Georadar) statt.
Aufbauend auf den geophysikalischen Ergebnissen der 1990er Jahre sowie diesen Jahres, dem Luftbild von Volker Arnold sowie ersten Probegrabungen, welche ebenfalls Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts durchgeführt wurden, wird der diesjährige Schnitt geplant. Dabei soll im Zuge eines ca. 440 m² großen Ausgrabungsareals vor allem der Bereich vor den Gräben, die Gräben und die Palisadenanlage, eine Torkonstruktion und ein kleiner Teil der Innenanlage erforscht werden um möglichst viel über die Anlage und ihre Erbauer zu erfahren.
Am 15.04.2010 laden wir zum "Tag der offenen Tür" alle Interessierten ein, sich über die andauernden Arbeiten am Dieksknöll und erste Ergebnisse zu informieren.
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Aufnahmen: Januar 2010
Die Sondierungsmaßnahmen auf dem "Dieksknöll" wurden mit dem Bodenradar (gezogen) und als Geschwindigkeitsmessung (zwischen zwei definierten Entfernungen) durch den Dipl.-Geophysiker Ercan Erkul mit seinem Team durchgeführt. Bei der Geo-Elektrik (Widerstandsmessung des Untergrundes) gab es nur geringe Rückschlüsse auf die Bodenschichten in die Tiefe, hierbei werden z. B. auf einem Messstrang mehrere Ansteuerungspunkte und einige Messpunkte für die Computerauswertung aufgebaut. Der Dipl.-Geophysiker mit seinem Team unterstützt von Hauke Dibbern und Franziska Hage führten diese Messungen durch.
Die Geomagnetik war bei dieser Untersuchung nicht so aussagekräftig.
Durch Vergleiche dieser verschiedenen angewandten Geo-Wissenschaften (Magnetik, RADAR und Elektrik) mit den tatsächlichen Funden und Befunden lassen sich heute interdisziplinäre Ergebnisse erreichen die früher undenkbar waren.
Aufbauend auf den geophysikalischen Ergebnissen, welche weitere Details der Grabenanlage vermuten lassen, wurde der diesjährige Schnitt angelegt. Dieser liegt im vermeintlichen Durchlass, einem besonderen "Torbereich" mit Querriegel (siehe Luftbild), im östlichen Bereich des Erdwerks. Der archäologische Bodeneingriff an der über fünf Jahrtausende alten Grabenanlage mit dahinter liegender Palisade lässt auf weitere Erkenntnisse zu diesem speziellen Themenbereich hoffen. Um ein möglichst genaues Bild des Grabens und der Palisade zu erhalten wurden mehrere Schnitte angelegt, welche das Profil und die Struktur der gesamten Anlage deutlich werden lassen. Zusätzlich wurden im Innenraum des Erdwerkes an signifikanten Punkten Bodenproben zur Phosphatdichte und Botanikanalyse (Pollen) entnommen um evtl. Rückschlüsse zur Nutzung des Erdwerkes dadurch bestimmen bzw. ausschließen zu können. Alle Funde und Befunde (Graben, Querriegel und Palisaden sowie Gruben und Feuerstellen wurden punktgenau mit einem Tachymeter eingemessen.
Die Forschungsinitiative erfolgt durch Claus von Carnap Bornheim (Leiter des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein), Johannes Müller (Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Christian-Albrechts-Universität) und Doris Mischka (Wissenschaftliche Assistentin am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität). Die Grabungsmannschaft setzt sich aus Kieler-Studenten der Ur- und Frühgeschichte und weiteren deutschen Universitäten zusammen. Die örtliche Grabungsleitung obliegt Franziska Hage, welche zusammen mit Hauke Dibbern als Doktorand an dem Teilprojekt "Monumentale Grabenwerke, nichtmegalithische und megalithische Grabbauten des Früh- und Mittelneolithikums in Schleswig-Holstein: Untersuchungen zu Baugeschichte, Datierung, Funktion und Landschaftsbezug der Kleinregionen Büdelsdorf und Albersdorf" angestellt wurde.
So wird die Sondage am "Brutkamp" aus dem Jahr 2009 und die diesjährige Grabung am "Erdwerk auf dem Dieksknöll bei Albersdorf" in einer Reihe weiterer Untersuchungen in den nächsten zwei bis fünf Jahren fortgesetzt werden.
Zu den bisher entdeckten Fundstücken zählen einige Keramik- (verziert) und mehrere Flintartefakte.


Ende April ist alles wieder zurückgebaut.
Das Erdwerk liegt dann wieder "versteckt" unter der landwirtschaftlichen Nutzung des Ackers.
Der Bagger verläßt den Acker und der Güllewagen ist schon dort.
Eine Dia-Schau zeigt eindrucksvoll die Arbeiten und Funde/Befunde am Erdwerk.
(Bild anklicken für Bildunterschriften bzw. Kommentare)
Die Beteiligten Institute bzw. Einrichtungen mit weiteren Informationen bzw. Links:
Giganten der Steinzeit
Die Spur der Steine: Von Dolmen, Gräbern und ihren Erbauern
Schwerpunkt Monumentalität
Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein
Christian-Albrechts-Universität Kiel

Archäologisch-Ökologische Zentrum Albersdorf

Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen
Text: Auszug aus der Pressemitteilung, Grabungsleitung: Franziska Hage (M.A.) und Dipl.-Prähist. Hauke Dibbern, UNI-Kiel
Fotos und Dia-Schau: Heino Hünken, Vertrauensmann Denkmalschutz



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