Ausgrabung am mittleren Langbett


Das Schwerpunktprogramm 1400 der Deutschen Forschungsgemeinschaft (Monumentalität und soziale Differenzierung) beschäftigt sich in einigen Regionen Norddeutschlands mit der Trichterbecherkultur, die in den Jahren 4000 bis 2800 vor Christus dominierte.
Es war die erste Kultur in Nordeuropa, die Ackerbau und Viehzucht betrieben hat. Im Rahmen des Programms werden in Norddeutschland Grabungen vorgenommen, um besseres Verständnis dieser Zeit zu bekommen.
Nach den Grabungen am Grabenwerk Dieksknöll und am Brutkamp haben die Archäologen Franziska Haage und Hauke Dibbern vom Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Kiel und weitere 15 Studenten in diesem Jahr neue archäologische Ausgrabungen im Gelände des Steinzeitparks vorgenommen
In Bredenhoop, südöstlich von Albersdorf, befinden sich auf dem Gelände des AÖZA die Reste mehrerer vermutlich trichterbecherzeitlicher Grabanlagen. Dabei handelt es sich um steinerne Grabkammern innerhalb von runden und rechteckigen Hügeln, auch Langbetten genannt. Es handelt sich dabei um langrechteckige Erdwälle, in denen sich Grabkammern von Großsteingräbern befanden und die ursprünglich mit einem Kranz aus großen Findlingen umgeben gewesen sind.
Im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten und von der Universität Kiel koordinierten internationalen Projektes „Monumentalität und soziale Differenzierung“ sollen die Grabungsergebnisse zu einem besseren Verständnis des Bestattungsbrauchtums der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur beitragen.
Im Zuge des 19. Jahrhunderts wurden für mehrere Bauprojekte in der Umgebung von Albersdorf, u. a. für den Bau der Gieselaubrücke, ein Großteil der Steine aus den Gräbern entfernt, wobei die Grabanlagen teils stark zerstört wurden.
Für die diesjährigen Grabungen wurde das nördlichste Langbett ausgewählt, denn es handelt sich um das momentan noch besterhaltene und damit erfolgversprechendste aller sechs Langbetten. An beiden Seiten des Langhügels finden sich mehrere Abraumhalden, welche bei der Entfernung der Steine aus der Hügelbefestigung und der Grabkammern abgetragen wurden. Dieser Abraum wird in einem ersten Schritt komplett abgetragen und durchgesiebt.
„Wir erwarten hier Material zu finden, welches aus den Kammernbereichen ausgeräumt worden ist, um damit Datierungsansatz zu erhalten für das Grab und wie lange es benutzt worden ist. Spezifische Keramikformen, Randformen und Verzierungsformen sollen Aufklärung bringen, “ so Hauke Dibbern.
Die dadurch zu erwartenden Funde sollen einen ersten Datierungsansatz für die Anlage liefern
Bisher wurde sehr wenig gefunden, obwohl Dibbern mehr erwartet hat. Als Grund vermutet er, dass es an den Erhaltungsbedingungen liegt. Der Erdboden bietet schlechte Möglichkeiten der Erhaltung für Keramik. Über Jahrtausende wirkt der Frost auch zerstörend. Gefunden wurden Pfeilspitzen aus Flintsteinen, Schaber, Dolchstiel und Steinaxt sowie Keramik-Scherben.
Die Ausgrabungen werden noch mindestens drei Wochen fortgesetzt, doch die Archäologen gehen davon aus, dass wenig Originalzustand von den Grabkammern gefunden wird. „Wir haben gehofft, Steinstandspuren zu finden, um rekonstruieren zu können, was hier für eine Art von Steinkammern drin gesessen hat“, meint Hauke Dibbern. Drei Wochen wurden bereits gegraben und trotz des schlechten Wetters ist Dibbern bisher mit dem Ergebnis zufrieden.
An der westlichen Front des Langhügels, welche ebenfalls durch „Steinsucher“ gestört ist, wurde ein Schnitt angelegt. Hier soll überprüft werden, ob es tatsächlich um die Grenze der Anlage handelt. Aufgrund der ergrabenen Befunde ist eine Rekonstruktion der untersuchten Bereiche geplant.
Über alle gefundenen Gegenstände ist im nächsten Jahr eine Sonderausstellung im Museum vorgesehen.
Die Ausgrabungen laufen noch bis Anfang September. Um über den jeweils aktuellen Stand der Grabungen zu informierten, bietet der Steinzeitpark Dithmarschen regelmäßig Führungen zur Grabung an. Die Führungen beginnen jeweils um 14 Uhr und dauern bis ca. 14.45 Uhr. Treffpunkt ist der Eingang des Steinzeitparks am Parkplatz. Die Führungen sind im Eintrittspreis für das Steinzeitdorf enthalten.
Folgende Führungen finden statt:
Donnerstag, 18. August
Mittwoch, 24. August
Donnerstag, 25. August
Mittwoch, 31. August
Donnerstag, 1. September
Am Dienstag, 23. August, gibt es außerdem von 11 bis 15 Uhr einen Tag der offenen Grabung, an welchem die Ausgräber über den Stand der Forschungen berichten.

Grabungsleiter Franziska Hage und Hauke Dibbern



Schnitt von einer Abtragfläche von 8x8 Meter zur Klärung von Fragen zu möglichen rituellen Handlungen vor dem Eingang des Megalithgrabes-




Schnitt eines Erdhügels mit Markierungen der Stellen der gefundenen Gegenstände

Text und Fotos: Tießen